Rhetorische Stilmittel finden & erkennen

Dir fällt es schwer rhetorische Stilmittel in einem Text richtig zu erkennen oder überhaupt erstmal zu finden? Dann geht es dir wie vielen anderen. Genau deshalb bieten wir euch hier eine grobe Ersteinweisung, die euch bei eurem Problem helfen soll.

Vorweg sei schonmal gesagt: Es ist nicht so schwer, wie du es dir vielleicht vorstellst!

Nimm dir ein paar Minuten Zeit und ich verspreche dir, dass du schon bald sicherer im Umgang mit rhetorischen Stilmitteln sein wirst.

Rhetorische Stilmittel finden und erkennen.

Der Start: So fängst du am besten an.

Du hast es sicherlich schon oft gelesen oder von deinem Klassenlehrer gehört, aber diese ersten Schritte sind wirklich wichtig und helfen dir im weiteren Verlauf deiner Arbeit mit dem Text. Sie legen im Prinzip das Fundament für deine Arbeit und wir alle wissen was dabei herauskommt, wenn schon hier die ersten Fehler gemacht werden.

Zunächst legt ihr euch einige Textmarker zurecht, um interessante Passagen oder Textstellen, die euch unklar sind, markieren zu können. Lest euch den Text gründlich durch, um ihn vor allem ersteinmal zu verstehen. Dabei könnt ihr bereits erste Markierungen zu Sinnabschnitten oder rhetorischen Stilmitteln machen, jedoch geht es hier hauptsächlich um ein grundlegendes Textverständtnis. Das ist wirklich wichtig. Mach dir an dieser Stelle keine Sorgen über das Finden und nicht Finden von rhetorischen Stilmitteln, sondern konzentriere dich auf den Inhalt – alles weitere folgt im nächsten Schritt!

Gehe den Text ein weiteres mal durch und vervollständige deine Anmerkungen, die dir später helfen sollen, eine ordentliche Einleitung zu schreiben und den Leser deiner Arbeit schlüssig durch deine Analyse zu führen.

Im nächsten Schritt richtest du deine Aufmerksamkeit nun voll auf die rhetorischen Stilmittel und beachtest dabei folgende Punkte:

Du musst nicht alle finden!

Dein Anspruch sollte nicht sein, tatsächlich jedes einzelne rhetorische Stilmittel zu finden, das sich im Text versteckt. Es gilt, die Wichtigen zu erkennen und die verstecken sich nicht. Rhetorische Stilmittel werden vom Autor gezielt genutzt, um seinem Text an wichtigen Stellen mehr Ausdruck zu verleihen. Kommt dir eine Textstelle also besonders wichtig vor, so halte Ausschau nach ungewohnten Formulierungen oder Wortkonstellationen – hier wirst du oft fündig. Findest du diese wichtigen rhetorischen Stilmittel, bist auf dem besten Weg zu einer erstklassigen Arbeit.

Lass dich nicht entmutigen

Beim ersten Lesen eines Textes ist es normal, wenn dir noch keine rhetorischen Stilmittel auffallen – lass dich davon bitte nicht entmutigen oder in Nervöstität versetzen. Genau deshalb habe ich dir Eingangs dazu geraten, den Fokus beim ersten und zweiten Lesen des Textes nicht direkt auf die rhetorischen Mittel zu legen.

Man ist im Nachinein oft überrascht, wieviel man in einem Text, der beim ersten Lesen quasi „mittellos“ erschien, dann doch noch finden konnte. Lasse dich also nicht verunsichern und folge in Ruhe deinem Plan.

Verlier deinen Respekt vor rhetorischen Stilmitteln

Für viele klingt allein der Begriff „rhetorische Stilmittel“ nach etwas unheimlich anspruchsvollen, nach Schule und nach altbackenem Wissen, das man sich mühevoll aneignen muss. Allein diese Einstellung macht es vielen schwer, effektiv mit rhetorischen Stilmitteln zu arbeiten, sie zu finden und richtig einzuordnen.




Dabei sind rhetorische Stilmittel wirklich etwas ganz alltägliches, du selbst benutzt sie im Prinzip ständig. Egal ob es sich um Sprichwörter, Weisheiten oder um moderne Alltagsfloskeln wie „Gönn dir!“ handelt, ob es Ironie, Sarkasmus oder eine Metapher wie „Mein Herz schlägt nur für dich!“ ist, überall stecken rhetorische Stilmittel dahinter.

Hör also auf im Text nach irgendwelchen kryptischen Dingen zu suchen und gehe ganz locker an die Sache heran. Das wirkt sich posititv auf deine Nervösität sowie auf deine Stimmung insgesamt aus und das ist ein Faktor, der nicht unerheblich zu deinem Erfolg beiträgt.

Mach dich vertraut

Wirf einen Blick in unsere Rubriken mit Übungen und Lösungen, denn wie heisst es so schön: „Übung macht den Meister“. Das wolltest du jetzt sicher nicht hören, aber ein nicht zu verachtender Funke Wahrheit steckt tatsächlich in diesem Sprichwort (siehe „Sentenz“ in der rhetorische Mittel Liste). Und dabei spreche ich hier garnicht von stundenlangem Üben und „reinprügeln“ von Definitionen, es geht zunächst lediglich darum, ein Gefühl für rhetorische Stilmittel zu bekommen.

Du wirst sehen, dass du relativ schnell eine andere Einstellung zu diesem Thema bekommst und dir z.B. vermehrt Stilmittel im Alltag auffallen. So schaffst du dir eine gute Grundlage für deine spätere Arbeit und das auswendig Lernen der wichtigsten rhetorischen Mittel fällt dir umso leichter.

Du findest kaum rhetorische Stilmittel in einem Text? Interessant!

Es kommt vor, dass du einen Text zu bearbeiten hast, in dem du auch nach dem dritten oder vierten Lesen nur eine Hand voll rhetorischer Stilmittel findest – ist das jetzt dein Fehler? Ist das schlimm?

Mach dir keine Sorgen, im Gegenteil liefert diese Erkenntnis eine wichtige Grundlage für deine Analyse. Benutzt der Autor kaum rhetorische Stilmittel, so macht er dies ganz bewusst, nämlich um eine bestimmte Wirkung zu erzielen oder seine Arbeit auf ein bestimmtes Publikum zuzuschneiden. In Passagen, die den Leser auf sehr sachlicher Ebene informieren sollen, tauchen so gut wie nie rhetorische Stilmittel auf und eben das ist ein Hinweis auf die Absicht des Autors.

Lass dich also nicht davon verunsichern und nutze stattdessen diese wichtige Information, um deine Analyse damit zu füttern!

Um welches Stilmittel handelt es sich denn genau?

Du hast also etwas im Text entdeckt, bei dem es sich deiner Meinung nach um ein rhetorisches Stilmittel handelt, aber es fällt dir schwer dieses genau zu benennen? Kein Wunder, denn die Grenzen zwischen den einzelnen Stilmitteln sind oft fließend und eine genaue Zuordnung ist schlichtweg Auslegungs- oder sogar Geschmackssache.

Dazu kommt, dass man einer Formulierung oft mehrere rhetorische Stilmittel zuordnen kann. So könnte man beispielsweise in dem Satz „Ein Dach über dem Kopf haben.“ sowohl eine Synekdoche – genauer ein Pars pro toto – als auch eine Metapher sehen.

Zerbrich dir nicht den Kopf darüber und richte deine Gedanken vor allem auf die Frage: „Was will der Autor mit diesem rhetorischen Stilmittel bezwecken?“ Solange dir eine plausible Erklärung für die jeweilige Textstelle im Zusammenhang mit einem von dir erkannten Stilmittel einfällt, kannst du kaum etwas „falsch“ machen.